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Im Banne des Teufels

Ein Denker mit Ecken und Kanten

Umjubelte Uraufführung des Theaterstücks „Im Banne des Teufels“ von Eike Mewes in der Rangsdorf Kulturscheune.

Von Andrea von Fournier

Rangsdorf:
„Aus einem verzagten Arsch kommt kein fröhlicher Furz”, soll Martin Luther (1483-1546) gesagt haben. Einen griesgrämig-vernagelten, dennoch fundierten, feurig seine Ansichten verteidigenden Luther hat der Rangsdorfer Autor und Regisseur Eike Mewes in seinem Stück „ Im Banne des Teufels gezeichnet. Am Wochenende feierte es in der Kulturscheune Premiere. Das ansässige Theaterensemble „Buntspecht“ hat zum Reformationsjubiläum ein Werk auf die Bühne gebracht, das Eike Mewes als „Riesenspektakel” zum Lutherjahr 1993 erarbeitet hat. Damals bekam er, Spielleiter am (West-)Berliner Schiller-Theater, aus der DDR den Auftrag, für die Erfurter Domfestspiele ein großes Stück zu schreiben. Gemeinsam mit einem Dramaturgen nahm er das Vorhaben für über 100 Schauspielerplus Statisten in Angriff. Mewes sollte auch inszenieren, doch aus finanziellen Gründen kam es nicht zur Aufführung. Das Buch blieb im Schrank und erst als Susanne Seehaus, Pfarrerin der evangelischen Gemeinde Rangsdorf, Mewes fragte, ob er mit den „Buntspechten" eine Produktion zum Reformationsthema plane, erinnerte er sich des nie gespielten Stücks. „Wenn mir eine zündende Idee kommt, wie ich aus einem Massenspektakel eine Kammerversion basteln kann, dann gern"‚ sagte Eike Mewes. Und arbeitete entschlossen an seinem Buch. Die Kirchengemeinde finanzierte die historischen Kostüme, die aus dem Adlershofer Fundus stammen. Im Februar begannen die Proben für „ Im Banne des Teufels", das der Autor auf sein Darstellerteam Zuschnitt.

Zur Premiere war die Kulturscheune nicht bis unters Dach besetzt, was Kulturvereinsvorsitzen den Detlef Schlüpen zwar etwas betrübte‚ jedoch dem Wetter geschuldet war. Der urige Spielort passte erstklassig zur mittelalterlichen Handlung. Musikpädagogin und Flötistin Monika Kosmetschke, seit langem „musikalische Seele" hier, hatte ein „Schlossorchester" zusammengestellt, das in historischen Kostümen Musik aus Luthers Zeit spielte. Besonders das Spinett (Niklas Krohn) stimmte die Ankommenden sogleich auf die Situation ein, die sich dann auf Schloss Mansfeld entspann. Eine Rahmenhandlung zeigt den 60-jährigen Professor Luther (Siegfried Fiedler) am Ausgang seines Lebens im Disput mit dem Theologen, Philosophen und Humanisten Philipp Melanchthon (Ralf Kosmetschke) anlässlich eines Festes. Dialoge und Handlungen sind fiktiv, Zitate der beiden hat Eike Mewes der Literatur entlehnt. Es gelingt Autor und Darstellern vortrefflich‚ die widerspruchsvolle Person Luther und dessen Entwicklung in Zeitsprüngen dem Publikum nahezubringen. Das Gespräch wird zu „Rückblenden” unterbrochen: Der Tisch, an dem die beiden Redenden sitzen, wird von der Technik ins Dunkel getaucht und ein früheres Zeitfenster eröffnet. Man sieht den rebellischen Mönch und jungen Gelehrten, brillant verkörpert von Norbert Krüßmann, wie er den Ablasshandel Tetzels (Andreas Schnabel) feurig bekämpft oder Predigten wider die Juden schmettert. Thomas Müntzer (Leon Griese) rebelliert vor ihm mit einem halben Dutzend Bauern, Wolfgang Buck überzeugt als Wiedertäufer und als Rabbi von Rosheim. Kein soft gefönter Luther als gradlinig positiver Reformator entsteht, ein Denker mit Ecken und Kanten, der die Allmacht Gottes und weltliche Vorrnacht der Grafen und Könige militant verteidigt. Eine hervorragende Inszenierung mit professionellen Darstellern‚ die zu recht langen Applaus einheimsten. Das Stück macht großen Appetit auf die „ Vollversion " .

Info: Weitere Termine: 13. und 14. Oktober um 19 Uhr, 15. Oktober um 18 Uhr. Am 12. Oktober um 19 Uhr gibt es im evangelischen Gemeindezentrum an der Kirche „Über die Macht des Wortes - Vortrag mit Diskussion“ zur Ergänzung des Theaterstückes.

FOTOS: ANDREA von FOURNER

Der Junge Martin Luther (Norbert Krüßmann, I.) schreit gegen Ablashändler Johann Tetzel (Andreas Schnabel) an - Phlllpp Melanvchgthen (Ralf Kosmetschke„ 2. v. r.) und der alte Luther (Siegfried Fiedler, r.) sehen zu.

Das „Schlossorchester“ bekam Extrabeifall vom Publikum.

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